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Dienstag, 13. April 2010
"A Single Man" - ein Film nicht ganz so perfekt wie die in ihm getragenen Anzüge


Endlich mal wieder Kino! Letzte Woche war ich in „A Single Man“, dem viel und wohlwollend besprochenem Regiedebüt von Tom Ford mit Colin Firth und Julianne Moore. Wie bei einem Modedesigner nicht anders zu erwarten, ist „A Single Man“ ein Festmahl an Ästhetik, eine Überwältigung in Nahaufnahmen. Glücklicherweise ist es dennoch kein inhaltsleerer Bilderreigen geworden, Colin Firth spielt – unglaublich intensiv – den schwulen George Falconer im Amerika der 1960er Jahre, der nicht über die Trauer über den Tod seines Lebensgefährten hinwegkommt und in der ihm eigenen Perfektion seinen Selbstmord plant. Dazwischen kommen ihm allerdings seine langjährige Freundin Charley und zwei hübsche Männer, denen er eher zufällig begegnet. So knapp man die Handlung, die auf einen (leicht autobiographischen) Roman von Christopher Isherwood zurückgeht, fassen kann, handelt es sich bei „A Single Man“ aber wie oben schon gesagt trotzdem nicht um eine künstlich Gestreckte dünne Story. Zwar ist die Traurigkeit manchmal kaum auszuhalten, aber Längen gibt es trotzdem nicht.

Erstaunlich ist vor allem, wie zeitlos das Geschehen wirkt. Obwohl in einer Kulisse der 60er angesetzt, kann man wohl Teile der Situation der Homosexuellen in die heutige Zeit übertragen. Dennoch hat Tom Ford kein noch so kleines (designtes) Moralkeulchen dabei, er erzählt einfach nur diese Geschichte – wobei „einfach“ in den Augen eines Designers und Generalästheten wohl die größte Schwierigkeit sein dürfte.

Die Ästhetik, die Perfektion in allen Dingen, ist es, die Mode und Möbel nie alt sondern immer nur retro, dabei aber absolut glaubwürdig aussehen lässt. Andererseits ist sie es aber auch, die in manchen Momenten stört, weil so offensichtlich „schöne Bilder“ konstruiert werden und Leben verloren geht. Da liegen Schuhe perfekt drapiert am Strand, eine Locke kringelt sich um Charlys Ohrring. Zwischen all den sowieso schon perfekt angezogenen Menschen wirken diese Momente, als hätte ein Fotograf ein klassischen Stillleben festgehalten, das sich nur aus Versehen bewegt. Ebenso glatt wie diese durchdesignten Momente wirken leider die beiden jungen Männer, beide schon „irgendwie gutaussehend“, aber der eine für meinen Geschmack zu sehr Latino Lover Carlos (Jon Kortajarena, Gesicht, der aktuellen Tom Ford-Kampagne) andere (Kenny, Nicholas Hoult) sogar für meinen Geschmack zu androgyn. Sind das Tom Fords Schönheitsideale? Für mich sind es eher Beispiele von „too much“. Lustig finde ich allerdings, das als Randbemerkung, dass der androgyne Kenny der kleine Junge aus „About a Boy“ ist.


Jon Kortajarena

Nicholas Hoult

„A Single Man“ ist wirklich kein „feelgood movie“, von denen in letzter Zeit häufiger die Rede war. Man tritt aus dem Kino auf die dunkle Straße und das Herz ist so schwer, es scheint in den Pfützen auf dem Weg zu schleifen. Dennoch finde ich ihn unbedingt sehenswert, nicht nur wegen der perfekten Anzüge oder den grandiosen Darstellern, sondern weil ich schon lange keinen so intensiven Film mehr gesehen habe.

Wer sich wundert, warum dieser Blogeintrag gegen Ende immer poetischer wurde, geht auf asingleman-movie.com und lässt den Soundtrack laufen. Vielleicht bilde ich es mir ein, aber ich entdecke bei diesem Soundtrack Parallelen zu Mahlers Adagietto - damals "Soundtrack" zur Verfilmung von Thomas Manns "Tod in Venedig".

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