Großartigkeiten, Kleinigkeiten & der heimliche Rest
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Dienstag, 12. März 2013
Wanderer, kommst du nach Wissembourg…
…dann am besten mit leerem Magen und leerem Koffer. Nur so wirst du all die Köstlichkeiten essen und exportieren können, die sich dir in Schlaraffenmanier bieten.



Wir haben dort mehrere Tage verbracht, das entschleunigt ungemein, denn man könnte Wissembourg ruhig, wenn man es böse meint auch „verschlafen“ nennen. Vermutlich ändert sich das mit den Touristenmassen, die im Sommer per Busladung angekarrt werden, im kühlen März ist noch angenehm wenig los. Schlimm genug, die anwesenden Deutschen zu beobachten, wie sie in die Cafés einfallen und ohne wenigstens ein „Bonjour!“ in zackigem Tonfall „Sie, eine Tasse Schwarztee mit Milch!“ bestellen. Fremdscham und die Idee, selbst nur noch Französisch oder vielleicht auch Englisch zu sprechen, einfach, um etwas Distanz zu diesem Benehmen zu schaffen.

Mit Deutsch kommt man natürlich weit im Elsass. Spannend ist es, zu beobachten, wie der Sprachwechsel je nach Alter, Gesprächsthema und Ort des Zusammentreffens stattfindet. Während die jüngere Generation eher Französisch spricht, legt die ältere meist im Pfälzer Dialekt los. Was Religion, Staat, Arbeit betrifft, wird auf Französisch verhandelt, Small Talk und Geschichten von früher auf Deutsch. Heraus kommen für das neugierige Ohr sehr unterhaltsame Gesprächsfetzen wie: „Jean, ça va?“- „Geht scho!“ und Pfälzer Floskeln wie „uf eimol“ (auf einmal) oder „isch gugge mol“ mischen sich in die französische Rede.

Wer weniger Ruhe sucht als wir das taten und einfach mal zu einem Ausflug ins Nachbarland aufbrechen will (VRN-Studententicketbesitzer: fantastischerweise gilt das Ticket bis dorthin!), dem reicht wohl ein Tag in Wissembourg. Daher streiche ich mal eisige Spaziergänge über die umliegenden Hügel raus und dampfe alles Sehens- und Essenswerte zusammen zu einem kleinen Rundgang!

Zuerst, weil wir ja hungrig angekommen sind, begeben wir uns zur Patisserie Rebert. Wie wir später sehen werden, kann Monsieur Rebert auch Kuchen, doch für das petit déjeuner muss es ein (Schoko)Croissant sein. Leider wird man danach nie wieder ein anderes Croissant essen wollen. Sorry! Dazu gibt’s Café au lait, was sonst. Wach? Weiter geht’s!





Auf einem Grünstreifen kann man hufeisenförmig um die Innenstadt laufen, an der alten Stadtmauer entlang. So erhält man auch gleich einen Überblick über Fachwerk aus verschiedenen Jahrhunderten und Bausünden der Moderne. Anschließend geht es kreuz und quer durch die Gassen der Innenstadt, die mehr zu bieten haben, als die zentrale Einkaufsstraße. Zum Beispiel die hübsche Aussicht auf Wasser, Fachwerk und die Eglise St-Pierre-et-St-Paul vom Schlupf aus, oder das idyllische Quartier du Bruch mit noch mehr Wasser und noch mehr Fachwerk!









Schon wieder Hunger? Wir haben 8 Boulangeries gezählt – bei 8.000 Einwohnern und nur im innersten Stadtkern ist das schon beachtlich. Außerdem gibt es diverse Restaurants und eine Crêperie, an Flammkuchen, Kougelhoupf und anderen Kleinigkeiten mangelt es also nicht.



Man kann aber auch das Mittagessen durch ein Törtchen bei Rebert ersetzen. Nach der (oh, so schwierigen) Entscheidung vor der Theke war alles nur noch glückseliges Lächeln und Schokoladenrausch (bzw. Himbeerrausch) und ich für eine kurze Zeit nicht mehr ansprechbar.





Wer dann doch noch Kultur braucht, möge sich die Kirchen anschauen, es gäbe sogar noch das Musée Westerkamp mit elsässischem Mobiliar und Trachten, allerdings hat es uns nicht von innen gesehen. Wir spazieren lieber eine unschöne Ausfallstraße hinaus zum Supermarkt Match, decken uns mit Marmelade, Wein, Keksen und – ha! – belgischem Bier ein.

Auch der Abend lässt sich kulinarisch äußerst zufriedenstellend verbringen, im Petit Dominicain probieren wir regionale Küche, wagen uns allerdings nicht an Schnecken, Froschschenkel und Munster Käse. Stattdessen gibt es Zwiebelkuchen, Ente mit Chroucroute (das unvergleichliche Sauerkraut), und Hühnchen in Mandeln. Spätestens jetzt wird klar, warum ein Tag in Wissembourg nicht reicht: Man kann gar nicht so viel essen, wie man will. Dafür kann man aber bei gutem Wetter die umliegenden „Berge“ besteigen und wieder hungrig zurückkehren. Guter Plan!



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Freitag, 22. Februar 2013
Wer nichts wird, wird...Briochebäckerin.


Als Laurelie am frühen Nachmittag schließlich einsah, dass es mit ihr und der Literaturpolitik in der französischen Besatzungszone an diesem grauen, von wenigen Schneeflocken geschmückten Freitag nichts mehr würde, knetete sie mit größter Ausdauer - weit mehr Ausdauer, als sie der Literaturpolitik gewidmet hatte - die Zutaten für eine Brioche zusammen:
500 g Mehl, 60 g Zucker, 60 g Butter, 1 Ei, 250 ml lauwarme Milch, 1/2 Tl Salz, 1 Päckchen Hefe.

Nachdem der Teig nach einer kuscheligen Stunde an einem warmen Ort auf die doppelte Größe angewachsen war, wurde er noch einmal gut geknetet und in vier Portiönchen in die Form gegeben. Dort verbrachte er eine weitere Stunde und wuchs fleißig weiter, bevor er mit Eigelb bestrichen (Hagelzucker wäre auch noch eine Option) und bei 150 °C 40 Minuten gebacken wurde.

Voilà: Und als er wieder rauskam, da hatte er weiße Stiefel an.
Nein. Und als er wieder rauskam, da hatte er sich in eine umwerfende Brioche verwandelt. Eine Brioche de Clément um genau zu sein, den von dem stammt das fabelhafte Rezept (merci, Aurélie!).



Mit Butter. Mit Honig. Mit Marmelade. Hach.
Ein Rest ward dem King nach seiner Rückkehr versprochen, doch ob davon was übrig bleibt?

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Donnerstag, 31. Januar 2013
Spontan mal Heino-Fan werden
Heino hat Hits gecovert. Entstanden ist ein amüsant poppiges, nicht zu schlagerhaftes und daher absolut höhrenswertes Album mit gutem Bläsersatz - ich bin begeistert. Jetzt gibt es das ganze Album beim Rolling Stone in voller Länge zu hören - und ab Freitag auch zu kaufen. Die Mutmaßungen, dass das sein erfolgreichstes Album werden könnte, sind durchaus nicht an den Haaren herbeigezogen. Auch die Süddeutsche Zeitung war angetan.

Außerdem hat mich der kleine Heino-Hype an eine Episode aus dem Jahre 2000 erinnert: Mit zarten 14 Jährchen hatte ich mit dem Chor, in dem ich damals sang, einen Auftritt im ZDF Fernsehgarten, der an irgendeinem bayerischen See gerdreht wurde. Wir sangen "Oh diese Hausaufgaben / ich tu mir selber leid" und irgendein Lied über die bunte Welt, weshalb wir bunte Wasserbälle werfen mussten, so viel weiß ich noch. Mich haben damals Haindling, die ebenfalls aufgetreten sind, wesentlich mehr interessiert, aber Heino war auch da - und meine Versuche, ihm seitlich unter die Brille zu schauen, sind kläglich gescheitert.

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Letzte Aktualisierung: 2013.06.04, 12:48
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